Die Halbinsel Istrien, die andere Ansichtder Adria

Im nord-östlichen Bereich der Adria ist ein deutlicher Wechsel der
Küstenlandschaft zu erkennen. Nachdem der Isonzo passiert wurde,
gibt die Ebene der Hochebene des Karst Raum, die sich einige
Hundert Meter über dem Meeresspiegel erstreckt und dabei den
Golf von Triest und die Halbinsel Istrien umarmt.

Der Boden ist kalkhaltig und reagiert daher besonders sensibel auf die Erosion durch die Elemente. Diese Tatsache verdankt man zum einen dem Landschaftsbild des Hinterlands, das eher trocken und schroff und von einem sich im Herbst farbig entflammenden Dickicht umgeben ist, und zum anderen dem verwundenen Verlauf der Küstenlinie, mit den tiefen Buchten, den sogenannten “Valloni”, die manchmal an die norwegischen Fjorde erinnern möchten. Aus der Nähe betrachtet, zeigt auch das Karst entsprechend der Höhe
wahrnehmbare Unterschiede.

Um den Golf von Triest herum, auf slowenischem Gebiet, spricht man wegen der Beschaffenheit der Felsen von dem “weißen“ Istrien, die im Inland den Rücken des Bergs Uka und an der Küste die vertikalen Klippen bilden, wie in Strunjan und Piran. Bis hierher drangen die Transportkähne der Serenissima vor, nachdem sie von Lagune zu Lagune geschifft sind, um diesen weißen „Stein von Istrien“, mit dem die Hälfte Venedigs erbaut wurde, zu verladen. Das Inland ist erstaunlich reich an Fließwassern und Karstquellen, demnach grün durch die Wälder.

Gerade am slowenischen Küstenabschnitt befinden sich die für die
Taucher interessantesten Gründe, auch weil sie einzigartige
Eigenschaften im Bereich der Adria zeigen. Im Umkreis von
wenigen zig Meilen trifft man auf die Meeresreservate von Punta
Grossa, etwas nördlicher die von Koper, und die von Strunjan und
Punta Madonna in der näheren Umgebung von Piran.

Der Liebhaber der Vogelbeobachtung verweilt hingegen bei den Salinen von Sicciole, die seit 800 Jahren aktiv sind und heutzutage auch wegen ihrer Bedeutung, fast wie die einer heiligen Stätte, von den Seevögel geschätzt werden. Weiter südlich, auf kroatischem Gebiet, findet man statt dessen das “rote” Istrien, so bezeichnet wegen der Farbe der Erde, einer für den Wein- und Olivenanbau idealen eisenhaltigen Lehmerde, wo sich duftende Mittelmeer-Buschwälder und Säume mit immergrünem Wald abwechseln. Die Landschaft ist trockener und sichtbar von den Erscheinungen gekennzeichnet – Doline, Grotten, Karsthöhlen, unterirdischen Flüssen – die gerade deswegen „karstig“ sind.

Die Schifffahrt des istrischen Meers betreffend ist zu sagen, dass Istrien felsige Meeresgründe mit einer eingeschränkten Tiefe hat (durchschnittlich 25 Meter am Küstenstreifen), die das Phänomen der Gezeiten wahrnehmbar machen. Es gibt tägliche Schwankungen von mehr als 50 Zentimetern (über einen Meter bei Springfluten) und Strömungen, die sehr stark in den engen, in die Küste hineingeschnittenen Valloni auftreten können. Das bedeutendste Element bezüglich der Sicherheit ist dennoch der Wind, insbesondere die Bora, die von Norden zum Karst und nach Istrien hinabfällt: achten Sie auf die Wettervorhersage und auf den Windmesser auch, wenn tröstlicherweise die kritischen Situationen mehr in der Wintersaison verzeichnet werden. Istrien ist in der Tat das Paradies des Wassersports und insbesondere des Segelsports: die touristischen
Häfen sind zahlreich und gut ausgestattet und es fehlt nicht an gut
gesicherten Ankerplätzen. Ein letzte Empfehlung: da die Schifffahrtsrichtlinien in den slowenischen und kroatischen
Gewässern einige Unterschiede im Hinblick auf die italienischen
aufweisen, ist es ratsam bei der Hafenbehörde, beim Abholen der
jährlichen Seefahrtserlaubnis, um Erläuterung zu bitten.


portolando 2006 - all rights reserved